Umverteilung im Rahmen der digitalen Revolution

 
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Vor einiger Zeit habe ich mal etwas dazu geschrieben, dass im Rahmen der digitalen Revolution, die im Moment Fahrt aufnimmt, früher oder später eine Menge Menschen ohne Arbeit sein werden weil Maschinen, bzw. Software ihre Arbeit übernehmen werden. Meine These ist, dass wir langfristig nicht ohne eine Umverteilung des Reichtums zu Ungunsten der reichen Elite, die die Software beherrscht, herumkommen werden. Das wird auch im Interesse der Elite sein, die sich sonst nicht vor der Wut der armen Mehrheit wird schützen können, bzw. der die Kunden ausgehen, wenn die Mehrheit verarmt.

Im Ergebnis wird ein Zeitalter der “Brot und Spiele” anbrechen in der sich diejenigen, die die Software kontrollieren und damit viel Geld machen, die Zustimmung der Bevölkerung förmlich erkaufen.

Meiner Meinung nach wird daher die Umverteilung durch die Gewährung eines Grundeinkommens von statten gehen. Siehe dazu: The responsibility of the tech-industry? Providing unconditional basic income. als Antwort auf die Frage von Jason Calacanis, was die langfristige Verantwortung der Tech-Industrie ist.

Gerade habe ich einen Artikel in der ZEIT Nr. 29, 2014 gelesen, in dem Prof. Brynjolfsson vom MIT zitiert wird, der im Grunde die gleiche Auffassung vertritt. Das war insofern eine interessante Feststellung für mich als offenbar auch andere Menschen ähnliche Gedankengänge verfolgen. Es ist nur noch eine Frage der Zeit bis diese Thesen die Debatten um das bedingungslose Grundeinkommen mitbestimmen. Ich bin gespannt, wie das Grundeinkommen letztlich realisiert wird. An eine “Maschinensteuer” (in der gleichen Ausgabe der ZEIT genannt) zur Finanzierung glaube ich jedenfalls nicht, schon weil die Definition von Maschine in Zeiten von Software zu schwierig und schlupflöchrig wäre.

brynjolfsson-grundeinkommen

Why not everybody has to learn to program

 
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Every now and then it is proclaimed that “programming” should be a bigger part of education and that every child should learn to program (and every adult should go for it also). Surely this makes sense if you’re a big company and craving for good engineers. It also makes sense for some other cases. But I don’t think that everybody should be able to code.

What I think everybody, and I mean that literally, should understand, is the implication that technology is going to have on our future lives. In the next decades a lot of people will go into unemployment because their jobs are taken over by robots, software and any combination of the two.

I recently read an article by German t3n magazine which listed a few jobs which could be taken over. Even for me, who is well aware of the possible implications of technology, there were some surprises. Taxi-drivers are threatened by Google and their self-driving cars. Just today a prototype of a self-driving “pod” was presented by Google at the CODE conference. But doctors could also be replaced in complex operations by more precise robots. The hypotheses in the article is: every job that consists of just manual work will be replaced, and even some which involve intellectual work. An example could be the in-store sales advisor who would be assisted by some kind of virtual sales advisor that is able to communicate with the customer.

This makes it clear why it’s important to understand technology and what it will mean for our future lives. Someone who has to decide into which job to go, has to make a very crucial decision, because there is no guarantee that his job or even the industry will be there for all of his life. Understanding the general developments in technology can help to make a better decision or – as someone who is already working – put things on the right track in terms of professional development and further education.

Was war vorher – und was kommt danach?

 
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Im Moment ist das Universum und seine Entstehung mal wieder in aller Munde, weil Forscher erste Anzeichen für Beweise einer bestimmten Urknall-Theorie entdeckt haben.

Dabei finde ich es immer wieder spannend und unheimlich, wenn ich mir vergegenwärtige, dass ich mich tatsächlich in diesem Universum befinde und dass es “da draußen” eine objektive Wahrheit darüber gibt,  wie alles begonnen oder sich entwickelt hat und wo die Reise mit unserem Universum laaangfristig hingeht. Denn dadurch, dass diese Themen immer nur sehr theoretisch und abstrakt diskutiert werden, findet bei mir eine Entkoppelung von Theorie und Praxis statt und z.B. diese Wahrnehmung “warum schwebt diese Erde eigentlich im Universum und fällt nicht ‘runter'” ist dadurch zumindest kein Gedanke, der mich dauerhaft begleitet und in Schwindel versetzt.

Einige spannende Links:

  • http://www.wissenschaft-im-dialog.de/aus-der-forschung/wieso/detail/browse/8/article/was-war-vor-dem-urknall.html?tx_ttnews%5BbackPid%5D=88&cHash=3bb238bfba0eda061f16aa13df5eb0d4
  • http://sploid.gizmodo.com/witness-the-joy-of-the-man-who-predicted-todays-big-ba-1545834924
  • http://de.wikipedia.org/wiki/Inflation_(Kosmologie)

Im letzten Link wird die Theorie vorgestellt, dass alles, auch die Zeit, aus einer Masse <10kg entstanden sein könnten. Un-fucking-fassbar.

Kein guter Tag für die Zukunft…

 
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In der Ukraine bietet der Präsident der Opposition einen Kompromiss an, von dem er jetzt schon wissen wird, dass diese ihn nicht annimmt. Die Opposition will die Regierung nicht unter Janukowitsch führen, sondern ihn loswerden. Selbst wenn die Führung der Opposition das Angebot annehmen würde, würde die oppositionelle Basis das nicht akzeptieren.

Janukowitsch kann sich also den Anstrich geben einen Kompromiss angeboten zu haben. Dabei laufen im Hintergrund die Vorbereitungen für den Fall, dass die Opposition ablehnt und die Proteste weitergehen. Die Anti-Terror Gesetze, die Bürgerrechte wie die Versammlungsfreiheit einschränken, und die Drohung des Innenministeriums in naher Zukunft alle Demonstrierenden als “extremistische Gruppen” zu qualifizieren und entsprechend gegen sie vorzugehen, lassen schlimmes erahnen.

Und im ersten TV-Interview seit einiger Zeit bestätigt Snowden: ja, die USA überwacht alles und ja, sie nimmt sich was ihren wirtschaftlichen Interessen dient.

Damit kann man also getrost festhalten: die nationale Sicherheit ist zwar ein Aspekt der Schleppnetzüberwachung, aber nicht der wichtigste. In einer Zeit in der Vormachtstellung der USA in der Welt schwindet, wehrt man sich mit allen Mitteln gegen die know-how drain, auch mit großflächigster Wirtschaftsspionage.

Darum: kein guter Tag für die Zukunft. Anti-Terror Gesetze werden zum ersten Mal in absehbarer Zukunft gegen die eigene Bevölkerung angewendet (und das fast in der EU, nicht in Thailand oder Ägypten) und die Überwachung dient der Wirtschaftsspionage.

UK zwingt Journalisten jetzt auch Festplatten zu zerstören…

 
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… selbstverständlich nur diejenigen, die Snowden-Leaks enthalten. Begleitet wird das von markigen Sprüchen wie “Ihr hattet eure Debatte. Es gibt keinen Grund noch mehr darüber zu schreiben” oder “Ihr hattet euren Spaß und jetzt wollen wir die Dokumente zurück”. “Zurück” ist natürlich ein Euphemismus. Bei digitalen Dokumenten gibt es kein “zurück” – es geht darum die Dokumente aus dem (journalistischen) Verkehr zu ziehen.

Gerade gestern habe ich mich mit einem Freund darüber unterhalten, wie er mit seinen Eltern darüber diskutiert hat, wie unglaublich die Leaks sind. Seine Eltern haben die Überwachung relativiert: Die Regierung wisse schon was sie tue und überhaupt würde das doch irgendwie passen. Die selbe Erfahrung habe ich mit meinen Eltern gemacht, die das “Ich habe doch nichts zu verbergen”-Argument brachten, und das obwohl sie sonst recht kritisch sind. Überraschend!

Ich denke das hat damit zu tun, dass die Eingriffe des “Überwachungsapparats” (kann man das schon sagen?) in unsere Privatsphäre so tiefgehend und umfassend sind und gleichzeitig recht abstrakt geschehen (es steht kein dunkler Van von der Haustür, sondern e-Mails werden automatisiert gefiltert und verwertet), dass die Relevanz von den meisten Menschen gar nicht erfasst wird.

Zu dem intellektuellen Anspruch was die Erfassung angeht, kommt eventuell noch ein psychologischer: unsere Eltern bauen seit rund 60 Jahren ein Land mit auf, das immer als das A und O in Bezug auf Freiheit, Wohlstand und Rechtsstaatlichkeit galt. Vielleicht ist es eine Art Selbstschutz wenn man relativiert, um jetzt nicht das “Lebenswerk” den Wirtschafts…, äh, Anti-Terror-Interessen der USA schutzlos ausgeliefert zu sehen.

Vielleicht weckt jetzt die tatsächliche Bedrohung von renommierten Journalisten den Einen oder Anderen auf.

Ein Tag – drei interessante Artikel die in ihrer Gesamtheit manches verdeutlichen

 
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In der Wirtschaftswoche erscheint heute ein Interview mit Bernhard Heinzlmaier, der die Verblödung der Jugend kritisiert. Das klingt zwar plakativ und falsch, der Artikel hat es sich aber in sich. Zum Beispiel behauptet Heinzlmaier:

“Wir wissen aus den sozialwissenschaftlichen Studien der vergangenen 150 Jahre, dass Krisen die Menschen passiver und disziplinierter machen. Sie werden unkritischer und versuchen, mit Unterwerfungsgesten durchs Leben zu kommen.”

Das schlägt den Bogen zum zweiten Artikel, aufgegriffen zum Beispiel von Gründerszene. Hier geht es um rückläufige Gründungszahlen in Deutschland. Offenbar können sich nur noch 29% der Befragten vorstellen, die Selbstständigkeit zu wagen.

Die Gründe lägen im Wesentlichen in der Angst vor gesellschaftlicher Ächtung, wenn die Selbstständigkeit nicht funktionieren sollte. Ächtung passiert dann, wenn ein Abweichler vom Mainstream damit auch noch scheitert. Wenn Angst vor Ächtung ein zunehmendes Motiv darstellt, spricht das für eine Vereinheitlichung des Denkens einer Gesellschaft und damit der Aussage des Interviews mit Heinzlmaier.

Der dritte Beitrag ist heute im ZEIT Magazin erschienen und somit nicht verlinkbar. Dort geht es um Selbst-Optimierer, also Menschen die mit Hilfe von Technologie ihr Leben versuchen zu vermessen und daten-getrieben zu verbessern. Das hat schon der alte Goethe getan, allerdings mit einem Notizbuch und nicht mit einer Kombination aus Hardware, Software (Apps) und web-basierter Daten-Auswertung.

Insofern führen die neuen Möglichkeiten zur Intensivierung der Selbst-Optimierung auf Grund von viel mehr Daten. Das ist aber nicht das Problem: im Artikel selbst wird eine Person zitiert, die den Vorgang der Selbst-Optimierung als mit der Prozesssteuerung und -entwicklung in einem Unternehmen vergleichbar ansieht und sich auf einer andauernden Mission befindet, produktiver und effizienter zu arbeiten. Jedes Zeitfenster, das zum intellektuellen Diskurs, zum Hinterfragen verwendet werden könnte, wird als verschwendet eliminiert und im Zweifel durch im Kreis laufen – um ein paar Kalorien zu verbrennen – genutzt.

Der Autor befürchtet, dass wenn diese Art von Menschen einen Prototypen der Menschen von morgen darstellen, wir alle noch viel angepasster und einheitlicher werden als im Moment. Denjenigen, die qualifizierte aber unkritische Fachkräfte brauchen, käme es gelegen. Sicher handelt es sich um Extrembeispiele und es wird niemals jeder so werden wie die vorgestellten Personen, aber mir geht es auch nur um die Beschreibung einer Tendenz, nicht eines worst-case Endzustands.

Insgesamt hat der heutige Tag einfach durch Zufall drei Artikel hochgespült, die für mich in ihrer Gesamtheit vieles bestätigen, was ich täglich beobachte. Deshalb war es für mich wichtig, dieses Ereignis kurz festzuhalten.