Erfolg, Glück und Anerkennung

 
1 Kudos
Don't
move!

Es gibt diese Tage an denen verschiedene Informationen auf mich einprasseln und zum Nachdenken anregen. Wenn ich Glück habe, prasseln Informationen aus verschiedenen Quellen auf eine Art und Weise die dazu führt, dass ich etwas mehr verstehe.

Einstiegshürden

Eben zum Beispiel saß ich beim Friseur und habe mir überlegt, warum manche Berufe in der Gesellschaft angesehener sind als andere. Landläufige Meinung ist ja, dass es von der Tätigkeit an sich abhänge, wieviel Prestige ein Beruf mit sich bringt. Das ist allerdings, glaube ich, aus folgendem Grund falsch: wenn ich jemandem sage, dass ich “Anwalt” bin, dann ist man erstmal tendenziell angesehen – unabhängig davon, ob mein Gegenüber weiß, was ich genau mache. Genauso ist es, wenn ich erzähle, dass ich promoviere, selbst wenn meine Tätigkeit während der Promotion zu 80% aus Verwaltungs- und Zuarbeits-Tätigkeiten besteht. Daher kann es nicht die Tätigkeit an sich sein, die beeindruckt. Es muss also etwas anderes sein.

Idee: es sind die Einstiegshürden in eine bestimmte Tätigkeit, die Respekt erzeugen. Ein Friseur z.B. macht auch einen schweren Job: jeden Tag rumschnippeln, dann muss er noch gut kommunizieren können um die Wünsche des Kunden wahrzunehmen und immer gut drauf sein. Aber das gesellschaftliche Ansehen ist für den Beruf vergleichsweise niedrig. Gleichzeitig kann jeder Friseur werden, der will. Die Einstiegshürden sind niedrig. Anwälte hingegen sind gut angesehen, selbst wenn sie nur Unternehmen beim Steuer-sparen helfen. Das ist zwar vielleicht intellektuell anspruchsvoll, nützt einer Gesellschaft aber wenig und sollte daher eigentlich nicht sehr prestigeträchtig sein. Die Einstiegshürden sind aber durch den Examens- / Zulassungszwang hoch.

Die Gesellschaft differenziert aber nicht in diesem Ausmaß. Das legt den Schluss erneut nahe, dass es nicht um die Tätigkeit an sich geht. Es lässt sich festhalten, dass Berufe ein hohes Ansehen genießen, die nur durch Überwindung hoher Einstiegshürden ausübbar sind. Einstiegshürden gelten dabei für jedermann, der diesen Beruf ausüben will, unabhängig davon, was er später im Beruf macht und ob er einen gesellschaftlichen Mehrwert erschafft. Einstiegshürden sind quantifizierbar und erschaffen damit einen Maßstab der für alle gilt. Es wird verhältnismäßig leicht nachvollziehbar, wer die Einstiegshürden geschafft hat zu nehmen.

Anerkennung

Die Frage, die ich mir stelle, ist folgende: es führt zu mehr Anerkennung durch die eigene Umgebung, wenn man Einstiegshürden nimmt, unabhängig davon, ob man dann mit dem Wissen tatsächlich Mehrwert schafft. Will ich mich einem solchen Maßstab unterordnen und mein Selbstbewußtsein davon abhängig machen? Denn der Maßstab an sich ist kurzsichtig und eben nicht auf die Schaffung von Mehrwert gerichtet.

Dazu stolperte ich über die Debatte in den USA, welche Erziehungsgrundsätze die richtigen sind. Die Tiger-moms, also Mütter mit asiatischem Kultur-Hintergrund, vertreten die Auffassung, dass “westlich-erzogene” Kinder zu wenig gedrillt werden, anders als ihre eigenen Sprösslinge, um es mal vereinfacht darzustellen. Angeheizt wurde die Debatte von der bekannten Autorin Amy Chua.

Paul Buchheit, Google-Mitarbeiter und Erfinder des “Don’t be evil”-Mottos, schreibt dazu auf seinem Blog einen Kommentar zu einem Kommentar, dass die Erziehung asiatischer Kinder auf extrinsischer Motivation beruhe. Die Grundannahmen seien:  (1) Lernen macht keinen Spaß und (2) Spaß kommt wenn die Anerkennung durch Dritte kommt, (3) diese kommt aber erst, wenn man hart gelernt hat. Tiger-moms zwingen ihre Kids also in einen Teufelskreis des Lernens, der letztlich durch die externe Anerkennung durch Dritte beflügelt wird. Das Kind wird also abhängig von der Anerkennung anderer, weil es anders kein Glück zu empfinden gelernt hat.

Das eine Gesellschaft, die so gepolt ist, Konformisten heranzieht, versteht sich von selbst. Denn wer von der Anerkennung der Gruppe abhängig ist, wird es vermeiden, etwas “anders” zu machen. Das deckt sich mit einer Antwort auf Quora, die ich eben gelesen habe. Die Frage war, warum Indien keine Unternehmen wie Google, facebook und Microsoft hervor bringt. Joydeep Sen Sarma antwortet, dass die indische Kultur auf Konformismus ausgelegt sei und entsprechend selbst durch die indischen Top-Universitäten Andersdenkende systematisch eingenordet würden.

(Sidekick: warum sind uns Dinge peinlich und warum zeigen wir diese Peinlichkeit, z.B. durch erröten? Antwort: aus Angst auf Grund der Non-Konformität aus der Gruppe verstoßen zu werden. In früheren Zeiten bedeutete das den Tod. Daher ist Peinlichkeit eine Überlebensstragie.)

Paul Buchheit merkt weiter an, dass die erste Grundannahme der Tiger-moms schon falsch sei. Lernen könne Spaß machen, wenn es auf eine explorative Art und Weise geschehe. Das ist es, was die westlichen Kulturen, manche mehr, mache weniger, den asiatischen noch voraus haben: zwar werden “unsere” Kinder nicht so sehr gedrillt und von der Anerkennung Dritter abhängig macht, allerdings können sie dafür eigenbestimmter lernen und erfahren dadurch auch eine intrinsische Motivation zu lernen. Diese Motivation kann dann dazu beitragen auch non-konforme Vorgehensweisen auszuprobieren und damit etwas gutes zu schaffen.

Glück

Wie verknüpft man all dies mit Glück? Immer mal wieder ist im Gespräch, dass unsere Gesellschaft trotz des Reichtums unglücklicher wird. Meiner Meinung nach könnte das genau in diesem System der Anerkennung begründet liegen.

Auch unser Bildungssystem ist in Teilen auf die extrinsische Motivation ausgelegt. Noten, Titel, Einstiegshürden sind in weiten Teilen der Bevölkerung das Maß aller Dinge. Und selbst nach dem erfolgreichen Einstieg in einen prestige-trächtigen Beruf lässt sich der stetige Zufluss externer Anerkennung aufrecht erhalten. Zu diesem Zeitpunkt kommen die sogenannten Status-Symbole ins Spiel, die erneut quantifizierbare Maßstäbe darstellen und an denen es sich weiterhangeln lässt.

Problematisch wird es wahrscheinlich, (1) wenn der Zustrom externer Anerkennung ausbleibt, (2) der Mensch intrinsische Motivation zu erfüllendem Handeln nie kennengelernt hat und (3) die aktuelle Tätigkeit keinen Mehrwert für die Gesellschaft darstellt und sich diese Erkenntnis bei dem Betroffenen auch einstellt.

Sollte ich nun eine Empfehlung zum Thema Glück abgeben, würde sie so lauten, wie man sie aus den Selbsthilfe-Büchern, von den Plakaten und aus der Bibel kennt. Daher spare ich mir das hier. Essentiell ist wohl: Glück kommt nachhaltig nur aus einem selbst und nicht von der Anerkennung durch Dritte.

Erfolg

Jetzt muss noch Erfolg mit den zwei Themen Anerkennung und Glück verknüpft werden.

Geht man nach allem oben dargelegten, dann ist Erfolg das, was andere sagen was Erfolg ist. Hat man bestimmte Noten erreicht? Hat man einen Uni-Abschluss erreicht? Hat man die (prestige-trächtigen) Einstiegshürden in einen (dadurch) angesehenen Beruf geschafft? Hat man genug verdient um sich Status-Symbol xyz anzuschaffen und damit zu beeindrucken? Erfolg wäre dann: die Anerkennung durch Dritte einzuheimsen. Das funktioniert nur, wenn man “immer mehr” erreicht, da mit jedem erreichten Meilenstein die Erwartungen der Anerkennung-verteilenden Umgebung steigen.

Wie könnte man Erfolg aber definieren, wenn man die externen Einflüsse ganz außen vor lässt? Im Grunde kann Erfolg dann nur daher kommen, dass man die Ziele, die man sich selbst gesetzt hat, erreicht. Dafür muss man seine innere Stimme kennen und mit ihr in Ruhe und ohne Ablenkung durch externe Einflüsse kommunizieren können.

Überblick

Ich schreibe diese Art von Posts um einen wilden Haufen von Gedanken zu ordnen und eventuell ein Learning daraus zu ziehen. Die eingangs erwähnten Informationen prasseln an manchen Tagen eben in so vielfältiger Form, dass mir bewusst wird, dass irgendwo ein Gedanke liegen könnte, der mir hilft einen weiteren Teil des Puzzles namens Leben zu verstehen. Doch ohne Niederschrift, also den Zwang, die Gedanken einigermaßen in Bahnen zu lenken und sinnvolle, argumentative Zusammenhänge herzustellen, würde ich diese vergrabene Erkenntnis nicht finden.

Heute habe ich folgendes erkannt. Zu den Themen Erfolg, Glück und Zufriedenheit gibt es ja eine Menge Stoff, der Handlungsanweisungen aufstellt. Dazu kommen ein Haufen Sprichwörter, z.B. aus dem Buddhismus, wie man Glück erlangt und so weiter. Häufig fehlt aber, zumindest ohne tiefergehende Recherche, der der Handlungsanweisung zugrunde liegende Argumentationsstrang, warum das Sprichwort oder die Anweisung lautet wie sie lautet.

Die Verknüpfung der Gedanken zu Erziehungskonzepten, zu der Anerkennung von Berufen auf Grund von Einstiegshürden und zu den anderen Themen in diesem Post und das In-den-Kontext-stellen des sich daraus ergebenden “inneren Systems der Definition und Positionierung eines Menschen in der Gesellschaft”, hat mir geholfen zu verstehen, warum Erfolg ein zweischneidiges Schwert ist und das Glück sich daran leicht verletzen kann.

The responsibility of the tech-industry? Providing unconditional basic income.

 
1 Kudos
Don't
move!

Just read a post by Calcanis on Pando, one of the best tech-blogs at the moment. He makes a point about which responsibility the tech-industry has for the people it has made redundant. [1]

We are not talking of the Snapchats, Instagrams or facebooks of the world here – these make no one redundant. We are talking of applications in the fields of business management, data mining and automation in general. I always felt uncomfortable with the self-perception of SV that it would in any case change the world and everything in it for the better.

I don’t think it does necessarily. Most of the businesses which offer software tools for companies to do something faster, easier or cheaper ultimately are targeted towards making one or more people inside the company redundant. In fact that would be the ultimate sales-pitch for a software company: “Rent my software for 100€ per month, because it does what employee x does now, but for a fraction of the price!” For the client this would be a no-brainer and happily accepted.

But it doesn’t make the world better. It removes employees from their jobs. It helps accumulate money around people who already have money, because money isn’t spread around society via employees any more.

We are only starting to see the outcome of letting manufacturing businesses move to the East right now: more and more people are  becoming unemployed, unable to keep up with a more services-oriented society and the income-gap growing bigger and bigger. I don’t even think we have reached the peak of that change already – so what do you think will happen as soon as the services-based industries are impacted by automation through software?

In the mid- to long-term future people will become redundant in being productive for a living on a large scale altogether. That will leave a large part of society unemployed while a small portion of society will be richer than ever in human history. In order to keep society stable two ways will unfold: suppressing the uncontent masses violently or proving an unconditional basic income, knowing that the money will accumulate around the distributing class through consumption again anyway.

Of course this will not be the tech-industries obligation alone. Society as a whole will have to commit to this change – but the tech-industry and their leaders will play an important role in that. So instead of preparing to take the first road (= “suppression”) by hating against the poor people living in the streets of SF today, the leaders in tech should start to understand where everything is going and get comfortable with the thought of redistribution – be it as UBI or any other way (see Bill Gates, Warren Buffett etc).

That’s their responsibility for making employees redundant.

[1] http://pando.com/2014/01/05/techbrats-goldberg-shih-and-gopman-do-not-represent-the-tech-industry/