Bad design by BMW

 
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In meinem Auto ist mir letztens ein Design-Fehler aufgefallen, der aus einer Veränderung der erwarteten Funktionalität resultiert. Das wäre nur ein Grund, warum es sich manchmal lohnt auch im Produkt-Design konservativ vorzugehen.

Am Radio gibt es wie in jedem Auto den An/Aus Knopf. In meinem Auto reagiert der Knopf sehr schnell. D.h. es gibt keine Verzögerung zwischen Drücken und Radio-an. Normalerweise würde man damit rechnen, dass einige Sekunden-Bruchteile die Frequenz gesucht und empfangen und erst dann abgespielt wird.

Mir fiel auf, dass der An/Aus Knopf das Radio gar nicht wirklich An/Aus macht, sondern nur Lautlos/Laut. Das war also die Veränderung der erwarteten Funktionalität. Sicher keine schlechte Idee von BMW, weil es sich eben anfühlt, als würde das Radio “schneller” angehen.

Das Problem: wenn ich ein iPhone anschließe und meine Musik in der “Cloud” habe, dann werden die Lieder gestreamt sobald sie abgespielt werden sollen. Das funktioniert mobil häufig nicht, weil die Netze zu langsam sind oder iTunes Match gerade mal wieder nicht läuft. Daher machte ich mir keine weiteren Gedanken, als beim Anschließen des iPhones der Timer des Lieds bei 0:00 stehen blieb.

Die Erwartung war, dass selbst wenn das Soundsystem durch den Radio-Knopf auf Lautlos wäre, würde der Timer beginnen zu laufen. Das hat sich als falsch herausgestellt. Als ich probeweise zufällig den An/Aus Knopf drückte, begann dann tatsächlich das Soundsystem die Musik abzuspielen.

Der gleiche Knopf hat also in – aus Benutzersicht – vergleichbaren Situationen unterschiedliche Funktionen. Einmal stellt er das Soundsystem nur auf Lautlos, einmal hängt von ihm tatsächlich ab, ob die Musik beginnt zu spielen.

Warum das ganze Gefasel? Ich finde man kann daraus ein spannendes Learning für das Design von komplexen Systemen ziehen: jede Abweichung von einer Konvention an der einen Stelle, kann zu einer Fehlfunktion an anderer Stelle führen. 

Nicht umsonst gibt es in allen möglichen Disziplinen konventionsbasierte Regelwerke oder Methodologien, z.B. in der Software-Entwicklung mit dem Grundsatz “Konvention vor Konfiguration”, Design-Konventionen im Webdesign oder auch im Recht mit der Untergliederung des BGB in die verschiedenen Bücher.